Der typische Verlauf der Agoraphobie 

Stell Dir vor du fährst gerade eine Brücke hoch! Ohne ein Anzeichen überfällt dich plötzlich eine Todesangst. Dein Herz beginnt wild zu klopfen, deine Hände zittern und du schaffst es kaum das Lenkrad ruhig zu halten. Du verspürst große Schwierigkeiten beim Atmen und du fühlst dich schwindelig. Es gibt keine Möglichkeit diesem Zustand zu entkommen und du fühlst dich diesem komplett ausgeliefert. Du bist auf einem Horrortrip! Du grübelst, ob du vielleicht gerade eine Herzattacke durchlebst oder im nächsten Moment sterben wirst an einer akuten, unbekannten Krankheit. Als du die Brücke wieder herunterfährst fühlst du wie du ruhiger wirst. Du zitterst noch, aber du beginnst dich zu erholen!

(Klassischer Ablauf einer Panikattacke)

Du versuchst sicher eine logische Erklärung für das soeben Durchlebte zu erhalten. Du wirst vielleicht das nächste Krankenhaus ansteuern, die Notaufnahme. Der Arzt dort wird dir sagen, dass bei dir alles organisch in Ordnung ist. Es ist gut zu wissen, aber du fühlst dich unzufrieden.

Deine Gedanken drehen sich weiter. Was würde passieren, wenn du das Bewusstsein verlierst oder gar die Kontrolle über dein Auto, während du über diese Brücke fährst? Du denkst: Was würde passieren, wenn ich von der Brücke fahren würde? Einen Unfall verursachen würde? Was würde passieren, wenn  mein Auto plötzlich anhalten würde und der Verkehr und die anderen Menschen anfangen würden mich zu beschimpfen?  Die logische Antwort  auf alle diese Fragen erscheint dir, dich in Sicherheit zu bringen und das Brückenfahren ab jetzt zu vermeiden…und nicht nur diese Brücke, einfach alle Brücken.

Aber es passiert wieder – dieses Mal stehst du im Supermarkt an der Kasse. Du hast gerade den Einkaufswagen hingestellt und wartest. Plötzlich überkommt dich erneut Panik! Du stellst dir vor, wie du jetzt auf der Stelle hier dein Bewusstsein verlieren wirst, du empfindest Scham , dass du hier vor allen Leuten die Kontrolle über Deinen Körper verlieren könntest und es würden alle anderen Menschen sehen. Du würdest schreien und rennen..Aber irgendwie schaffst du es stehenzubleiben, während die Kassiererin deinen Einkauf eintippt. Du wartest auf das Wechselgeld – bist innerlich panisch, besitzt  nur den Gedanken: Durchhalten! Also du den Ausgang vom Einkaufsladen erreichst, sind deine Beine schwach und deine Hände zittern, aber du fühlst eine Spur der Erleichterung. Du beginnst nun große Supermärkte zu meiden – oder überhaupt das Warten in einer Schlange.

Deine „sichere Zone“ definiert sich von nun an durch diese Erfahrungen. Du beginnst  nur auf Straßen zu fahren, wo sich vielleicht Ärzte befinden oder Krankenhäuser. Du schaffst es vielleicht nur noch zum nahen, kleinen Laden um die Ecke und hast stets den Ausgang im Blick. Oder, vielleicht beginnst du auch nur noch einkaufen zu gehen, wenn jemand dich begleitet mit dem Wissen, es wäre jemand da, wenn Deine Panik dich wieder überfällt.

Irgendwann ist der Tag da  - im schlimmsten Fall – der Tag, an dem du überhaupt nicht mehr vor die Tür gehst, gehen kannst!